Interview mit Patrick Wunsch

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Name
Patrick Wunsch

Autoren-Steckbrief
Patrick Wunsch wurde am 21. Februar 1988 in Bielefeld geboren, wo er bis heute lebt. Nach dem Abitur studierte er an der Universität Bielefeld Germanistik und Anglistik im Bachelor, gefolgt von einem Masterstudium der Interdisziplinären Medienwissenschaft.

2016, mit dem Einstieg ins Berufsleben, begann die Arbeit am Debütroman, die etwa ein Jahr später weitestgehend abgeschlossen war. Im März 2018 ging es weiter mit dem Nachfolger.

Als Autor möchte Patrick Wunsch künstlerisch und philosophisch interessierten Lesern anspruchsvolle Werke bieten, die mit Poesie und Provokation den Zeitgeist abbilden, unbequeme Wahrheiten auf den Punkt bringen und nicht um jeden Preis konventionellen Formeln folgen. Er möchte Figuren schaffen, die fragwürdige Entscheidungen treffen, aber in ihrem Zwiespalt zwischen Idealismus und Zynismus sympathisch bleiben.

Neben der Literatur betätigt sich Patrick Wunsch als Game Designer (Great Potion Games) und Musiker (träumen von aurora, Beyond Martian Skies).

Bisher erschienene Bücher auflisten
Zeichen von Herbst (2020)

Woher nimmst du deine Motivation zum Schreiben? Was treibt dich an?
Ich bin einigermaßen interessiert an originellen Handlungen und starken Figuren, aber vor allem würde ich meine Romane als ideengetrieben bezeichnen. Wenn ich über eine Thematik nachdenke und zu (Zwischen-) Ergebnissen komme, die ich für literarisch verständlich und wirkungsvoll darlegbar halte, lasse ich es gern auf einen Versuch ankommen.

Wie entstehen die Ideen zu deinen Büchern?
Ich war schon immer ein kreativer Mensch und denke immerzu über meine musikalischen Arrangements, Lyrics, Spiele und Romane nach. Auch philosophische und politische Themen beschäftigen mich. Wenn ich in der Straßenbahn oder im Zug sitze, Fahrrad fahre, zu Fuß unterwegs bin oder mir nur einen Kaffee koche, bin ich oft schnell und tief in Gedanken versunken.

Gibt es Gemeinsamkeiten oder Unterschiede in deinen Büchern?
Meine ersten beiden Romane sind in gewisser Hinsicht komplementäre Werke. In “Zeichen von Herbst” neige ich zu langen Sätzen und genauen Beschreibungen, während “Gegenlicht” schneller erzählt und dialoglastiger ist. Man dürfte an den Themen und stilistischen Elementen erkennen, dass sie vom gleichen Autor stammen, doch wer den einen Roman mag – oder eben nicht –, könnte zum anderen durchaus die gegenteilige Meinung haben.

In welchem Genre bist du zu Hause?
Aktuell: Gegenwartsliteratur. Ich möchte Romane schreiben, die keine bloße Unterhaltung sind, sondern eine gewisse kulturelle Relevanz haben, indem sie den Zeitgeist beschreiben und kommentieren. Ich kann aber nicht ausschließen, dass ich mal Abstecher in andere Genres wagen werde. In “Zeichen von Herbst” und “Gegenlicht” kommen Passagen vor, die andeuten, wie sich Erotik, Fantasy, Horror und Science Fiction bei mir lesen würden. Ob ich mich allerdings an (ausgeklügelte) Detektivgeschichten oder (mit gut recherchierten und sehr spezifischen Hintergrundinformationen gespickte) Thriller heranwagen würde, kann ich nicht sagen.

Wann kannst du am besten schreiben?
In den Morgenstunden habe ich am meisten Motivation, vor allem mit Kaffee. Das kommt allerdings meist dem Unternehmen zugute, in dem ich arbeite, und nicht meinen literarischen (oder anderen) Ambitionen.

Warum sollten die LeserInnen ausgerechnet deine Werke lesen?
Weil darin, hoffe ich, die eine oder andere Idee verarbeitet ist, die einem im Leben weiterhilft. Wie gesagt, es geht viel um den Zeitgeist. Und um Kunst. Wer nicht nur Unterhaltung sucht, sondern sich gern mit der menschlichen Natur und der Gesellschaft, mit Philosophie und Politik im weitesten Sinne auseinandersetzt, findet wahrscheinlich Gefallen an meinen Romanen.

Was sind deine Lieblingsbücher? Was magst du absolut gar nicht?
Schwer zu sagen. Lange Zeit war “Plattform” von Michel Houellebecq mein Lieblingsbuch, und “Macht und Rebel” von Matias Faldbakken konnte ich insgesamt auch einiges abgewinnen, genau wie “39,90” von Frédéric Beigbeder. Dann war ich begeistert von “Naokos Lächeln” von Haruki Murakami (ich empfehle die englische Fassung, also “Norwegian Wood”), und vor kurzem hat mich “Der Meister und Margarita” von Michail Bulgakow schwer beeindruckt. Ich glaube, Letzteres gefällt mir insgesamt am besten. Es ist einfach wahnsinnig gut geschrieben und ist in seiner Originalität, die ans Absurde grenzt, aber nie endgültig dorthin abdriftet, sehr inspirierend. Was ich nicht so sehr mag, sind Bücher, die über ihre konkrete Handlung und die konkreten Figuren nicht hinauskommen, die nichts vermitteln, was nach der Lektüre noch relevant ist.

Mit welchem deiner Protagonisten oder mit welchem anderen Autor würdest du gerne mal einen Kaffee trinken gehen?
Mit allen natürlich! Nein, im Ernst: Meine Figuren haben sicherlich ihre Charakterschwächen, aber so etwas ist mir in der Regel sympathisch. Selbst Edgar von Hardenberg, der mit seiner permanenten Provokationslust anstrengend sein kann, würde ich gern mal live erleben. Ich bezweifle allerdings, dass er nur Kaffee trinken würde.

Was war der lustigste Fehler in deinen Büchern?
Puh, schwierige Frage. Gut möglich, dass da mal was war, aber solche Details merke ich mir meist nicht. Falls das auch zählt: Ich wurde neulich darauf hingewiesen, dass gleich der erste Satz in “Zeichen von Herbst” einen grammatikalischen Fehler enthalte. Es stellte sich nach Rücksprache mit der Duden-Redaktion heraus, dass meine Konstruktion zwar nicht die Standardpräposition verwendet, aber auch nicht falsch ist (und meines Erachtens der semantischen Assoziation nach die bessere Wahl). Aber die Vorstellung, dass nach einem Leben voll Sprachverliebtheit (Sie wissen schon: Bestnoten in Diktaten, die Rolle des Sprachberaters für Freunde und Bekannte, Germanistikstudium, Redakteurstätigkeit) im ersten Satz meines ersten Romans ein Fehler sein sollte, entbehrte nicht einer gewissen Komik.

Dein Lieblingsspruch / Motto / Lebensweisheit?
Da fällt mir jetzt nichts ein. Falls ich so etwas habe, steht es irgendwo in meinen Romanen. Ich könnte höchstens anbieten: “Mit einer To-do-Liste, die einem heilig ist, macht man mehr aus seinem Leben.”

Deine Chance! Was wolltest du den LeserInnen schon immer mal mitteilen?
Alles, was ich meinen Lesern mitteilen will, schreibe ich in meine Romane. Vielleicht kommt eines Tages hinzu, dass ich mich für die jahre- und jahrzehntelange Unterstützung bedanke und mir der Zuspruch vor allem in schweren Zeiten ganz viel Kraft gegeben hat, aber so weit sind wir jetzt noch nicht – Zwinkersmiley.

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