Interview mit Gerwalt Richardson

1367

Die Sklavin von AquaeSteckbrief des Autors 

Anfang der Sechziger Jahre in Stuttgart geboren, in Sichtweite des hässlichen Gaskessels, hatte ich das Glück, dass meine Familie bald danach nach Baden in ein Dorf in der Rheinebene umsiedelte, sodass ich eine Kindheit zwischen Wald und Wiesen erleben durfte. Dennoch wurde ich schnell gewahr, dass mit mir etwas nicht stimmte, dass meine Fantasien und Triebe mit meinem Umfeld nicht geteilt werden durften. Dann, mit nicht einmal 16, lernte ich SIE kennen, und vom ersten Kuss an war klar, dass wir uns ähnelten. Zwölf Jahre später haben wir geheiratet.
Doch zunächst gab es noch ein paar Schicksalsschläge, auf dem Rückweg von meiner Liebsten wurde ich von einem Auto erfasst, das mein Bein zerschmetterte. Es sollte Jahre dauern, bis ich wieder schmerzfrei laufen konnte. Dennoch machte ich meinen Weg erstaunlich linear, nach dem Abitur studierte ich Maschinenbau, heuerte in einem Großkonzern an, wir heirateten, bekamen zwei Kinder, bauten ein Haus, wieder in einem kleinen Dorf in der Rheinebene. Während all dieser Zeit schrieb ich, leidenschaftliche Kurzgeschichten voller Gewalt und sexueller Überwältigung. Dann mit einem Mal brach ich zusammen, Hausbau, beruflicher Stress und die Belastung durch die Kleinkinder waren für einen wie mich, der viele innerliche Nebenprozesse am Laufen hat, einfach zuviel. Man lieferte mich ein, und auf einmal stand ich vor dem Nichts. Etwa sechs Jahre kämpfte ich am Rande des Abgrunds mit Depressionen und Panikattacken, bis es mir gelang, mich in Begleitung verschiedener Therapeuten halbwegs zu stabilisieren. In dieser Zeit schrieb ich vermehrt, bannte viele Gedanken auf Papier – und näherte mich der SM-Szene an, die auf meine Geschichten allerdings zunächst verstört reagierte. Mit der Zeit gewann ich die Akzeptanz in der Szene – man hörte zumindest auf, meinen Kopf zu fordern – und 2008 begann ich mit meinem ersten Buchprojekt, der Weidenruten-Trilogie, die 2010 auf den Markt kam und dort gut aufgenommen wurde.
Beruflich wagte ich etwa zu der Zeit den Karriereschritt in die Führungsmannschaft, was für alle Beteiligte ein Wagnis war, das sich im Nachhinein aber sicherlich gelohnt hat. Die Feuerprobe hierzu war ein mehrwöchiger Aufenthalt in China, wo ich eine neue Struktur aufbaute, die heute noch Bestand hat.
Inzwischen habe ich mit vielen Dingen meinen Frieden geschlossen, das Schreiben ist nun weniger Ventil als Passion, wiewohl ich die Buchprojekte immer noch so lege, dass sie sich über die Zeit der Herbstdepression erstrecken.
Natürlich bin ich auch professioneller geworden, obwohl ich immer noch nicht an einem Schreibseminar teilgenommen habe …

Bisher erschienene Bücher

Die Sklavin von AquaeErotica Verlag

über Amazon:

Weidenrute und Schwert
Feder und Farbe
Kette und Kreuz
Marie-Charlotte
Sklavin am Ohio
Ricks Welt
Das letzte Element
Die Gottesanbeterin
42 garstige Gerwalt-Geschichten
Fessel mich! Schlag mich! … aber mach es richtig

Woher nehmen Sie Ihre Motivation zum Schreiben? Was treibt Sie an?

Das Schreiben von erotischen Geschichten ist Passion und Ausgleich zu beruflicher Zielanspannung. Die Welten, die ich dabei schaffe, möchte ich gerne mit meinen Lesern teilen, auch die Einblicke in bestimmte Mechanismen der sadomasochistischen Sexualität, die sich beim Schreiben im Abgleich mit meinen eigenen Erfahrungen zwangsläufig erschließen.

Wie entstehen die Ideen zu Ihren Büchern?

Zumeist nebenher. Plötzlich ist sie da. Oft entwickelt sich die Buchidee aus einer Kurzgeschichte. Ich lasse die Idee dann ein paar Wochen in meinem Kopf gären, bis ich den Eindruck gewonnen habe, dass ein ausreichend tragfähiger Plot vorhanden ist. Dann tauche ich in die Geschichte ein und beginne zu schreiben.

Gibt es Gemeinsamkeiten oder Unterschiede zwischen Ihren bereits erschienenen und folgenden Büchern?

‚Die Sklavin von Aquae’ ist im Vergleich zu meinen Krimis und der Mittelalter-Trilogie eher weich gezeichnet. Mein Augenmerk lag dieses Mal stärker auf der Entwicklung der Protagonisten und ihrem Verhältnis zueinander. Tatsächlich gab es in diesem Buch eine interessante, von mir eigentlich nicht direkt forcierte Entwicklung: Je geringer der Grad der äußeren Abhängigkeiten wurde, desto größer gestaltete sich das Machtgefälle. Ich liebe solche Entdeckungen.

In welchem ​​Genre sind Sie zu Hause?

SM-Krimis und -Historienabenteuer

Wann können Sie am besten schreiben?

Immer wenn ich Zeit und Zugang zu einem Rechner habe.

Warum sollten die Leser ausgerechnet Ihr Buch lesen?

Weil ihnen sonst etwas ziemlich Einzigartiges entgeht

Was sind Ihre Lieblingsbücher? Was mögen Sie absolut gar nicht?

‚Der arabische Nachtmahr’ von John Irwin, ‚Das Foucaultsche Pendel’ von Ecco, ‚Shibumi’ von Trevanian sind Lieblingsbücher, die mich sicherlich auch beeinflusst haben. Was ich nicht mag, sind ‚Biss zum Abwinken’, ‚Shades of Blech’ und die entsprechenden deutschen Derivate.

Mit welchem ​​Ihrer Protagonisten würden Sie gerne mal einen Kaffee trinken gehen?

Mit Almut, weil sie Kaffee noch nicht kennt. Und weil ich mich längst in sie verliebt habe.

Was war Ihr lustigster Fehler in Ihren Büchern?

Aktuell bei ‚Aquae’: Der liebende Ehemann Madal nennt seine umwerfende, große und blonde Friesenfrau Dina ‚meine Sonnenblume’. Leider stammt die Sonnenblume aber aus Amerika und war in der Antike in Europa daher noch nicht bekannt. Ich habe den Fehler gerade noch erwischt.

Ihr Lieblingsspruch / Motto / Lebensweisheit

Arroganz ist der Tod der Kunst.

Ihre Chance! Was wollten Sie dem Leser schon immer mal mitteilen?

Ich will nur spielen

Hexenfluch von Karin Kaiser
Nebelmeer von Michael Patzer


KOMMENTARE

    Hinterlass einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.