Interview mit Samuel Wallander

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Name
Samuel Wallander

Autoren-Steckbrief
Jahrgang 1977
Geburtsort: Malmö, Schweden
Staatsangehörigkeit: Psst!
Wohnort: Psst!
Ausbildung: Kinderarzt (nicht mehr praktizierend), Broker (nicht mehr praktizierend), zur Zeit: arbeitslos

Bisher erschienene Bücher auflisten
keines

Woher nimmst du deine Motivation zum Schreiben? Was treibt dich an?
Irgendwie stecken diese Geschichten in mir drin. Schon während meiner Ausbildung zum Arzt, die ich natürlich nur wegen meiner damaligen Verlobten vollendete, wusste ich, dass ich als Kinderarzt niemals die Rente erreichen würde. Am Tag als ich meine Praxis eröffnete (bei Hamburg) verließ mich meine Verlobte für einen irischen Schafhirten, der bei uns Couchsurfing machte. Meine Praxis lief also nicht länger als ein Jahr. Danach wurde ich Broker (Schnappsidee eines alten Jungendfreundes) und schaffte es mit Trotz und unkonventionellen Investments, etwas Geld auf die Seite zu legen – bis Lehman Brothers hopsging. Dann musste ich wieder bei (fast) null anfangen. Also wurde ich Texter für verschiedene Redaktionen. Ich schrieb für alles und jeden. Aber meine erfundenen Sachen lagen mir natürlich immer mehr am Herzen und füllten so langsam meine Schubladen. Man kann also sagen, dass das Klopfen in den Schubladen mich schlussendlich zum Schreiben gedrängt hat.

Wie entstehen die Ideen zu deinen Büchern?
Meine Geschichten sind meist getrieben von den Personen, die Handlung ist zweitrangig und ergibt sich dann automatisch. Ich reiße zum Beispiel aus einem Magazin zwei oder drei Gesichter aus, werfe sie in die Luft und schaue, welche „oben“ landen. Dann denke ich mir zu den Gesichtern die Personen aus; das geht wie von selbst. Selbstredend kann der kantige Typ nur ein Zuhälter sein und die kleine Asiatin seine Ehefrau, die von all dem nichts weiß. Und schon ist der Grundstein zu einer Verwechslungsgeschichte gelegt. Man stelle sich vor, die Frau bewirbt sich unwissentlich bei ihrem eigenen Mann als Teilzeithure, weil sie ihm ein teures Cabrio zum Geburtstag schenken will. Soll der Mann zugeben, dass er sie erkannt hat? Wie weit treibt ihn seine Neugier? Wie weit wird seine Frau gehen? Und wer wäre der erste Kunde? – Man sieht, die Geschichten liegen auf der Straße.

Gibt es Gemeinsamkeiten oder Unterschiede in deinen Büchern?
Das kann ich so nicht wirklich beurteilen.
Aber ich versuche ein Maximum an Realitätsbezug hereinzubringen. Ein Leser schafft nur die Identifikation mit den Figuren, wenn ein Minimum an Realität einen nachvollziehbaren Anhaltspunkt, u.a. für die Mitivation, bietet.

In welchem Genre bist du zu Hause?
Es wäre vermesse, schon jetzt von “zu Hause” zu sprechen. Ich denke, noch bin ich nur Gast – oder hat man mich überhaupt schon hereingelassen?

Wann kannst du am besten schreiben?
Das ist leicht zu beantworten. An meinem kleinen Schreibtisch, immer gleich und sofort nach dem Frühstück. Immer mindestens eine Stunde oder 1000 Wörter. Und immer mit dem Blick auf die Wand und immer offline. Ich bin leider leicht abzulenken („Hallo, YouTube, hörst du mich!?“). Ich benutze auch eine spezielle Software (Focuswriter), um mich voll und ganz auf das Schreiben konzentrieren zu können. Erstmal wild drauflostippen und die Gedanken schnell zu Papier bringen. Das Korrigieren erfolgt dann erst später und immer mit mindestens einem Monat Abstand. Nur dann erlischt die Betriebsblindheit, die dazu führt, dass man Fehler garantiert überliest.

Warum sollten die LeserInnen ausgerechnet deine Werke lesen?
Ein Leser schrieb mir mal: Wenn man die Geschichten angefangen hat, MUSS man weiterlesen.
Kann ich mir mehr wünschen?

Was sind deine Lieblingsbücher? Was magst du absolut gar nicht?
Zur Zeit lese ich gerne japanische Geschichten, weil die sehr skurril sind – was aber wohl der fremden Kultur geschuldet ist.
Aber meine Geschmäcker wechseln natürlich mit der Zeit. Und wer hat als Teen nicht Bukowski gelesen?

Mit welchem deiner Protagonisten oder mit welchem anderen Autor würdest du gerne mal einen Kaffee trinken gehen?
Das ist eine gute Frage. Wahrscheinlich mit den weiblichen 🙂

Was war der lustigste Fehler in deinen Büchern?
Lustig nicht unbedingt. Aber ein Leser hat mich mal auf einen Zeitfehler aufmerksam gemacht. Eigentlich hätte die Person in der Geschichte just zu diesem Zeitpunkt ganz woanders sein müssen, wenn man dem vorangegangenen Text hätte Glauben schenken sollen.

Dein Lieblingsspruch / Motto / Lebensweisheit?
Et hätt noch emmer joot jejange.

Deine Chance! Was wolltest du den LeserInnen schon immer mal mitteilen?
Ich wollte mich einmal selbst beweisen. Ich habe schon soviel ausprobiert und gemacht. Ich benötige einfach die Abwechslung. Darum auch Kurzgeschichten; ich weiß nicht, ob ich die Geduld für einen ganze Roman aufbringe. Aber wenn die Geschichten gefallen … wer weiß, vielleicht gibt es bald schon mehr zu lesen! Ideen hätte ich schon.

Liste hier auf, wo man dich im Netz antrifft (Webseite, Facebook, Twitter, YouTube, …)*
Ups, jetzt haben Sie mich kalt erwischt. Facebook&Co mag ich so gar nicht, da es einfach nur ablenkt. Ich möchte mich lieber auf meine Textarbeit konzentrieren und nicht immer nur diese Wasserstandsmeldungen meines persönlichen Befindens abgeben. Wer immer nur für den Moment lebt, kann nichts langfristig wirkendes schaffen. Am besten, man versucht es über meinen Verlag (Null Papier). Und wenn ich meinen ersten eigenen Wikipedia-Eintrag bekomme, schaffe ich mir eine Homepage an – versprochen!

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