Interview mit Heike M. Major

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Name
Heike M. Major

Autoren-Steckbrief
Heike M. Major wurde am 14. März 1956 in Hamm/Westf. geboren. Nach ihrem Abitur im Jahre 1974 absolvierte sie ein Studium für das Lehramt und war bis 2016 als Lehrerin tätig. Heute arbeitet sie vor allem als freischaffende Schriftstellerin.

Bisher erschienene Bücher auflisten
– Menschliche Momente, Ein Streifzug durch den Alltag unserer Seelen (Lyrische Texte, Aphorismen, Kurzgeschichten). Verlag Schnell, Warendorf 1996, ISBN: 978-3877168653 (bei der Autorin erhältlich unter [email protected])
– Eine Reise in den Süden (Roman). Tebbert Verlag, Münster 1998, ISBN: 3-932508-87-4
– Nur eine Lungenentzündung, Begegnung mit dem Tod (Die wahre Geschichte einer Krankheit). Verlag Schnell, Warendorf 2001, ISBN: 978-3877167908
Elfchen und der Menschenmann, Eine märchenhafte Liebesgeschichte. Iris Kater Verlag, Viersen 2006, ISBN: 978-3939061052
Tambara – Oh Stadt, oh meine Stadt (Roman). Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2018, ISBN: 978-3-96145-244-6

Woher nimmst du deine Motivation zum Schreiben? Was treibt dich an?
Ich ging schon immer gern auf Reisen und verlieh meinen vielen Eindrücken, die ich am Mittelmeer, in der Karibik und auf den Seychellen sammelte, Gestalt in Form von Zeichnungen, Gemälden, Collagen, Fotografien, Aphorismen und Kurzgeschichten. Wenn ich dieselben Orte Jahre später erneut besuchte, musste ich schmerzhaft feststellen, wie sehr sie sich durch den aufstrebenden Tourismus verändert hatten. Wiesen, Wege und Felder waren zubetoniert worden, das Hotelleben internationalen Standards angepasst und überall entstanden die gleichen Einkaufszeilen mit fast dem gleichen Warenangebot. Neben der landestypischen Kultur verschwand auch die Natur immer mehr aus der unmittelbaren Umgebung der Hotels. Natürlich fragt man sich in solchen Momenten: Wie wird das weitergehen? Was wird aus unserer Natur, wenn wir sie so vernachlässigen? In meinem Buch „Tambara – Oh Stadt, oh meine Stadt“ habe ich diesen Gedanken aufgenommen und weitergesponnen. Während wir Soul, eine temperamentvolle junge Dame auf ihren Abenteuern begleiten, erfahren wir, wie unsere eigene Zukunft aussehen könnte, wenn wir so weitermachen wie bisher.

Wie entstehen die Ideen zu deinen Büchern?
Am Anfang stehen meist die vielen Eindrücke, die ich auf meinen Reisen oder auch im Alltag über einen gewissen Zeitraum gesammelt habe. Im Anschluss daran folgt eine Zeit der Verarbeitung. Ich schwelge in Erinnerungen, ordne meine Gedanken und stelle fest, dass bestimmte Themen mich immer wieder beschäftigen. So entsteht der Wunsch, diesen Ideen Ausdruck zu verleihen.

Gibt es Gemeinsamkeiten oder Unterschiede in deinen Büchern?
Es gibt sehr persönliche Texte, wie z.B. die Geschichte einer Lungenentzündung, die mich fast das Leben gekostet hätte. In anderen Büchern taucht – so unterschiedlich sie bezüglich Stil und Thema auch sein mögen – immer wieder das Grundthema „Natur“ auf, mal ganz konkret wie in meinem Buch „Eine Reise in den Süden“, in dem am Beispiel spanischer Inseln das Touristenleben unter die Lupe genommen wurde, mal als wärmender Hintergrund wie in der Liebeskomödie „Elfchen und der Menschenmann“.

In welchem Genre bist du zu Hause?
Ich wechsele relativ unbefangen zwischen den Genres und suche mir jeweils das Medium aus, mit dem ich meine Ideen am besten ausdrücken kann. In meinem Buch „Tambara – Oh Stadt, oh meine Stadt“ bewege ich mich sogar in ein und demselben Buch zwischen den Genres. Es gibt Rätsel zu lösen wie in einem Krimi, es spielt in der Zukunft, ist aber trotzdem kein typischer Zukunftsroman, weil die Inhalte unserer eigenen Realität sehr nahe kommen, und die persönlichen Beziehungen zwischen den handelnden Personen lassen vielleicht sogar auf eine Liebe hoffen (mehr wird nicht verraten).

Wann kannst du am besten schreiben?
Das hört sich ein bisschen verrückt an, aber die meisten Ideen habe ich, wenn ich im Urlaub auf dem Liegestuhl am Strand liege (wie gesagt: neue Einrücke sammeln, verarbeiten …). In meiner Strandtasche befinden sich immer ein ganz normales Schreibheft und ein Kugelschreiber. Meist springen mich die Ideen regelrecht an. Damit ich sie nicht vergesse, werden sie sofort handschriftlich festgehalten und später – manchmal schon auf dem Hotelzimmer – in den Computer übertragen und fortgesponnen.

Warum sollten die LeserInnen ausgerechnet deine Werke lesen?
Ich glaube, im Zeitalter von allgegenwärtiger Werbung, Gentechnik, Klimawandel und zunehmender Naturentfremdung sprechen die Inhalte meines Buches „Tambara – Oh Stadt, oh meine Stadt“ vielen Menschen aus dem Herzen. Die Geschichte spielt in einer Stadt, in der die Natur in Vergessenheit geraten ist, weil die Bewohner tagein tagaus mit, wie sie glaubten, wichtigeren Dingen zu tun hatten. Die Menschen haben dort eigentlich alles erreicht, wonach wir noch streben: Wohlstand, gesicherte Arbeitsplätze, eine umfassende Gesundheitsvorsorge und einen toleranten Umgang miteinander. Doch – obwohl sie ein sorgenfreies Leben führen könnten, sind sie nicht zufrieden, weil ihnen etwas Grundlegendes fehlt. Es ist eine spannende Geschichte, in der der Leser sich selber wiederfinden kann und die uns sensibilisiert für unseren eigenen Alltag.

Was sind deine Lieblingsbücher? Was magst du absolut gar nicht?
Geprägt hat mich zweifellos „Brave New World“ von Aldous Huxley. Er hat schon damals das erschreckende Bild einer neuen Welt entworfen, die (um nur einen Aspekt herauszugreifen) mithilfe fortschreitender Wissenschaft den Einzelnen zum willenlosen Konsumenten macht. Huxley hat Generationen von Schriftstellern inspiriert. Die Themen „Natur, Wissenschaft, Technik, Konsum“ und deren Auswirkungen auf unser alltägliches Leben lassen mich seitdem nicht mehr los. Ich selber bin in meinem kleinen, bescheidenen Rahmen näher dran an unserer eigenen Wirklichkeit. Es sind nicht die großen Helden, die meine Bücher bevölkern, sondern die ganz normalen Alltagsmenschen, die – wie z.B. in der Stadt Tambara – mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben wie der Leser selbst.
Oft lese ich auch Sachbücher, um mich in neue Themengebiete einzuarbeiten, manchmal Biografien. Ich glaube, es geht mir immer um das Begreifen von Zusammenhängen: Wie dreht sich die Welt, wer läuft darin herum und welchen Blick haben die Menschen auf eben diese Welt? Wo gibt es Gemeinsamkeiten, was verbindet uns alle?

Mit welchem deiner Protagonisten oder mit welchem anderen Autor würdest du gerne mal einen Kaffee trinken gehen?
Einen Kaffee würde ich gerne einmal mit Soul, der Protagonistin aus „Tambara – Oh Stadt, oh meine Stadt“ trinken. Sie hat all das, was ich nicht habe. Sie ist temperamentvoll, entscheidet spontan und zeigt einen enormen Durchsetzungswillen, wodurch sie sich selbst manchmal allerdings auch in brenzlige Situationen hineinmanövriert.

Was war der lustigste Fehler in deinen Büchern?
Bei der Korrektur meines Tambara-Buches hatte ich an einer Stelle geschrieben: „… malten mit hölzernen Söckchen Bilder in den Sand …“ Ich meinte natürlich: Stöckchen. Gott sei Dank machte mich mein Computer auf den Fehler aufmerksam.

Dein Lieblingsspruch / Motto / Lebensweisheit?
Ich erinnere gerne an Dinge, die wir zwar wissen, oft aber verdrängen, wie z.B. in folgendem Spruch, der uns vor Augen hält, dass wir uns unsere heutige Welt doch eigentlich geschaffen haben, um uns den Alltag zu erleichtern. Tja …

Früher kämpften die Menschen
in freier Natur
ums Überleben.
Heute arbeiten sie hart,
um sich im Dschungel der Technik
nicht zu verlieren. (Heike M. Major)

Wenn man die Zeilen genauer betrachtet, springen die Parallelen sofort ins Auge: kämpfen – hart arbeiten, Natur – Technik, überleben – sich verlieren.

Deine Chance! Was wolltest du den LeserInnen schon immer mal mitteilen?
Bei all den vielen neuen, verführerischen und oft auch sehr nützlichen Medien sollten wir uns jeden Abend fragen, wie vielen Menschen wir an diesem Tag noch in der Realität gegenübergestanden, wie vielen wir tatsächlich noch die Hand geschüttelt haben.

Liste hier auf, wo man dich im Netz antrifft (Webseite, Facebook, Twitter, YouTube, …)*
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