“Der Friedhof in Prag” von Umberto Eco

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“Der Friedhof in Prag” von Umberto Eco
Erschienen am: 08/10/2011
Autor: Umberto Eco
“Der Friedhof in Prag” von Umberto Eco 978-3446237360
4 Als deklarierter Bestseller ist „Der Friedhof in Prag“ weniger ein Buch für zwischendurch, aber dennoch ein weiterer sehr fesselnder und mehr als lesenswerter Roman von Umberto Eco. Als deklarierter Bestseller ist „Der Friedhof in Prag“ weniger ein Buch für zwischendurch, aber dennoch ein weiterer sehr fesselnder und mehr als https://www.buchfans.com

Bewertung: ★★★★☆ 4 Sterne

Kurzzusammenfassung:
Betrug, Mord, Intrigen, Rassenwahnsinn. Alles in einem Roman: „Der Friedhof in Prag“ von Umberto Eco. Als italienischer Notar in Paris arbeitet Simon Simonini als überzeugter Antisemit an seinen Beweisen für eine Weltverschwörung, angeführt von den Juden und unterstützt von Geheimbünden, Jesuiten, Spionen und vielen mehr. Eine Verschwörung in einer Verschwörung.

Story:
Die Story wird mittels Tagebucheinträgen erzählt und zwar vom Hauptprotagonist Simon Simonini, der in Italien geboren ist, aber später nach Paris umzieht. Während seine Tagebucheinträge im März 1897 starten, angefangen rückwirkend von seiner Kindheit und Jugend ab 1833 zu erzählen, schreibt er über sein Leben, bis er sich, zeitlich gesehen, eingeholt hat. Der letzte Tagebucheintrag endet im Dezember 1898. Aber nicht nur Simonini schreibt in diesem Tagebuch. Auch Abbé Dalla Piccola verewigt sich darin. Da beide unter Gedächtnislücken leiden, sich aber dadurch ergänzen können,schreiben sie abwechselnd in das Tagebuch des Simonini, wobei Simon Simonini sein Erlebtes mehr oder weniger niederschreibt, während Abbé Dalla Piccola das Ganze ergänzt, bewertet oder moralisch kommentiert. „Denn es scheint fast, als erwache [er] immer nur dann, wenn Simonini eine Stimme des Gewissens benötigt [...]“ (S.201). Fakt ist: einer von beiden ist nie zur selben Zeit anwesend, sofern es der andere ist. Zusätzlich ergänzt ein Erzähler die Einträge, sofern er der Meinung ist, die Geschichte ist, wie es die beiden niedergeschrieben haben, noch nicht vollständig.

Simonini als Gehilfe der Regierung ist seines Zeichens Notar und begabter Dokumentenfälscher, sodass er mit seinen Fähigkeiten der jeweiligen Regierung zuarbeitet. Während Simonini überzeugter Antisemit ist und einen Hass, vor allem, auf Frauen, Deutsche, Italiener, Franzosen, Jesuiten, Freimaurer und und und hat; kurz gesagt auf eigentlich alles, richten sich seine Belege über Verschwörungen gegen die Regierungen hauptsächlich gegen die Juden und Freimaurer, die wie er früh von seinem Großvater eingetrichtert bekommen hat, das personifizierte Böse darstellen.

 So fälscht, mordet, intrigiert und hintergeht Simonini alles und jeden und verstrickt sich dabei mehr und mehr in die, von ihm erfundene, weltumspannende jüdische Verschwörung, unterstützt von Geheimbünden, Spionen, Revolutionären und Geheimdiensten.

Kritik:
"Den Anfang des Buches zu bewältigen ist ein schwieriges Stück. Es wird vor- und zurückgeblendet und es ist nie so wirklich klar, um was und wen es eigentlich geht. Hat man aber erst einmal die ersten Seiten überwunden, kommt man mehr und mehr in den Ablauf der Geschichte rein und kommt auch mit dem Handlungsablauf mit. So kann man den Start u.U. mit dem „Proceß“ von Kafka vergleichen, der eine ähnliche Unübersichtlichkeit vorweist. Im Anhang des Buches hat Eco der Übersicht halber eine Tabelle erstellt, aus der man als Leser den Handlungsstrang besser nachvollziehen kann. Als Leser muss man sich aber damit abfinden, dass Umberto Eco mit vielen französischen Begriffen um sich wirft, die man als Laie öfters mal nichts so eben aus dem Kontext erschließen kann – sodass man sich entweder mit diesem Unwissen abfinden, oder es aber selbst nachschlagen muss. Ferner wirbeln so viele unterschiedliche Personen durch den Roman, dass – kaum kann man eine in den Plot einordnen – sie schon wieder von der Bildfläche verschwindet. Das Buch ist zwar zunehmend verständlicher was die Geschichte und Logik an sich angeht, aber es ist dennoch keines, das man mal eben in einer lauten S-Bahn liest. Außerdem muss man sich erst an den dreigeteilten Erzählerstrang gewöhnen, da die Geschichte von dem Erzähler, Simon Simonini und dem Abbé Dalla Piccola wiedergegeben wird, was anfangs etwas Verwirrung schafft, aber da sich alle drei recht gut ergänzen, eine angenehme Abwechslung mit sich bringt. Umberto Eco beschreibt Simon Simonini selbst als einen Charakter, den er nicht liebenswert gestalten wollte und tatsächlich ist es so, dass man sich schwer mit ihm identifizieren kann. Er ist ein solch rassistischer, falscher und böser Mensch, wie er (hoffentlich) nur in Romanen vorkommt. So mag man ihn gar nicht mögen, ist aber an ihn gebunden, sofern man den weiteren Handlungsverlauf erfahren möchte. Eine spannende Ambivalenz, die Umberto Eco da geschaffen hat. Obwohl ich das Buch nach den Anfangsschwierigkeiten schon entnervt zur Seite legen wollte - ich war nie ein Fan von Kafkas Erzählungsweise, ergo, so dachte ich, auch nicht von Umbertos – wurde ich eines besseren belehrt. In keinster Weise ist "Der Friedhof in Prag" ein nicht lesenswertes Buch. Sobald man sich auf diese Geschichte einlässt (und möglicherweise die ein oder andere Seite ein zweites Mal liest), kommt man gut voran und auch mit der Art der Erzählung sehr gut zurecht. Umberto Eco schafft mit seinem polarisierenden Hauptprotagonisten und der unüblichen Erzählungsweise, sowie dem gewählten Thema einen großartigen Roman!

Fazit:
Als deklarierter Bestseller ist „Der Friedhof in Prag“ weniger ein Buch für zwischendurch, aber dennoch ein weiterer sehr fesselnder und mehr als lesenswerter Roman von Umberto Eco.

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