Interview Mirjam Ziegler

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Name
Mirjam Ziegler

 

Autoren-Steckbrief
Schreiben, Reisen und Film ‒ meine Welt ist voller Geschichten.Geboren 1987, aufgewachsen am Albtrauf, habe ich in Tübingen Spanisch und Englisch sowie Literarisches Schreiben studiert, im Kino und bei einem Arthouse-Filmverleih gearbeitet. Zwischendurch habe ich in Dublin, Madrid und Barcelona gelebt. Reisen durch Europa, Nord- und Südamerika, Südostasien: Ich reise, wann immer ich kann, und schreibe, wo ich auch bin.In zahlreichen Kursen am Studio Literatur und Theater habe ich viel über das Schreibhandwerk gelernt und 2014 mit dem Zertifikat abgeschlossen. Für die Geschichte “Alle Klarheiten beseitigt” wurde ich mit dem Studium-Professionale-Preis ausgezeichnet. Seit 2012 habe ich an verschiedenen Lesungen und an der Literaturwerkstatt dichterkammer in Tübingen teilgenommen.

Seit etwa zwei Jahren arbeite ich an meinem Roman “Die Federn meiner Mutter”: Es ist die Geschichte der Suche einer Tochter nach ihrer Mutter. Nun reise ich für ein halbes Jahr entlang der Route meiner Protagonistin Agnes von Barcelona bis nach Kroatien, recherchiere und schreibe den Roman fertig. Mehr zum Projekt “Reise zum Roman in 180 Tagen” findet ihr auf meiner Website.

 

Bisher erschienene Bücher auflisten
Erzählung “Resonanz” in Trashpool Nr. 3 (2012) http://www.trashpool.de
Erzählung “Alle Klarheiten beseitigt” in Ghostwriter (2013)
Roman “Die Federn meiner Mutter” (in Arbeit)

 

Woher nimmst du deine Motivation zum Schreiben? Was treibt dich an?
Motivieren muss ich mich eigentlich nicht mehr. Das Schreiben ist für mich zu einer Notwendigkeit und zur Normalität geworden. Es tut mir gut. Früher habe ich nur für mich geschrieben. Doch mit jeder Lesung, die ich halten durfte, wurde das Gefühl stärker, dass ich auch für andere schreiben möchte. Es war sehr schön zu sehen, wie viel andere aus meinen Geschichten ziehen können. Das möchte ich auch mit meinem Roman erreichen. “Die Federn meiner Mutter” ist ein persönliches Projekt. Meine Notizbücher, mein Laptop und vor allem mein Kopf sind voller Federn, überall sehe ich Agnes. Ich muss endlich ihre Geschichte erzählen. Doch wenn ich damit auch ganz vielen anderen etwas geben könnte – das wäre der beste Lohn.

 

Wie entstehen die Ideen zu deinen Büchern?
Ideen ziehe ich aus allem, was ich erlebe – seien es eigene Erfahrungen oder die von anderen: von Freunden, meiner Großmutter, Reisebekanntschaften oder völlig Unbekannten. Geschichten entstehen auch aus anderen Geschichten: Büchern, Filmen, Zeitungsnotizen. Aus diesen vielen Quellen setzt sich dann etwas Neues zusammen. Ein Detail kommt daher, ein anderes von dort… Darum könnte man auch nicht sagen: Diese Figur im Buch ist jene Person aus meinem Leben, oder: Das bin ich. Es vermischt sich ganz viel. Und deswegen haben auch sowohl meine Protagonistin Agnes als auch ihre Mutter Gemeinsamkeiten mit mir. Andere Charakterzüge der Figuren wiederum sind mir fremd. Aber es ist schon gut für eine Geschichte, wenn ich eigene Erfahrungen einweben kann.

 

Gibt es Gemeinsamkeiten oder Unterschiede in deinen Büchern?
Bisher hatte ich nur Geschichten und Gedichte geschrieben; die waren sehr dicht und ließen sich durch ihre Kürze gut im Blick behalten. Der Roman stellt mich nun vor ganz andere Herausforderungen. Bei so vielen Figuren und Orten muss man aufpassen, dass man alle Fäden in der Hand behält. Gemeinsam ist meinen Texten, dass eigentlich immer eine Reise vorkommt oder im Zentrum steht. Meine Figuren müssen “raus aus ihrem Kasten”, wie Wilhelm Raabe es ausgedrückt hat.

 

In welchem Genre bist du zu Hause?
Prosa. Ich würde meinen Roman keinem Genre zuordnen. Es geht um eine Mutter-Tochter-Beziehung, aber auch um Liebesbeziehungen ganz unterschiedlicher Art; um einen Ausbruch, um eine Befreiung. Er ist dramatisch, aber letztlich auch ermutigend.

 

Wann kannst du am besten schreiben?
Kürzere Texte entstehen auch mal in einer durchschriebenen Nacht, aber an den Roman gehe ich anderes heran; da brauche ich eine gewisse Routine. Die ersten Kapitel habe ich in meinen Mittagspausen und sonntags im Café geschrieben. Jetzt, auf der Romanreise, stehe ich früh auf, schreibe bis mittags; am Nachmittag lese ich -wichtig zur Inspiration- und überarbeite dann das Geschriebene noch mal.

 

Warum sollten die LeserInnen ausgerechnet deine Werke lesen?
“Die Federn meiner Mutter” soll die Atmosphäre der Orte einfangen, an die es die Agnes führt: Katalonien, Südfrankreich, Norditalien, Slowenien, Kroatien. So soll das Lesen auch zu einer sinnlichen Erfahrung werden. Spannend, ehrlich und emotional präzise möchte ich von Beziehungen erzählen ‒ zwischen Agnes, ihrer Mutter und anderen. “Die Federn meiner Mutter” ist die Geschichte eines künstlerischen Erwachens, in der Gewissheiten aufbrechen. Ich möchte Widersprüche wahrnehmen und auch über das schreiben, was man nicht erklären kann. Wen das anspricht und wer gerne beim Lesen auf Reisen geht, den könnte dieses Buch interessieren.

 

Was sind deine Lieblingsbücher? Was magst du absolut gar nicht?
Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel García Márquez. Die Entdeckung der Langsamkeit von Sten Nadolny. Das goldene Notizbuch von Doris Lessing. Überhaupt und immer wieder: Hemingway. Max Frisch. Cortázar.
Ich mag Bücher, die verschiedene Zeiten übergreifen, Bücher, die einen auf Reisen mitnehmen. Dabei lernt man so viel! So will ich auch schreiben. Über Alltagsstarre will ich dagegen nicht lesen, und Bücher nach Strickmuster interessieren mich nicht. Ich möchte überrascht werden, auch stilistisch.

 

Mit welchem deiner Protagonisten oder mit welchem anderen Autor würdest du gerne mal einen Kaffee trinken gehen?
Von denen, die noch leben… Paul Auster. Es fasziniert mich, wie spannend er über Beziehungen schreibt. “Invisible” zum Beispiel: Das ist eine Detektivgeschichte, in der es nicht um Verbrechen geht.

 

Was war der lustigste Fehler in deinen Büchern?
Ich habe mal ein Gedicht über das Unglück einer Pfarrfrau aus meinem Dorf geschrieben, die mit Kindern im Wald war, und mehrere Kinder wurden von Baumstämmen erschlagen. Ich dachte dabei an Hermann Hesse, seine Naturgedichte und eine Jugendliebe von ihm, die dann Pfarrfrau in meinem Dorf wurde. Erst ein paar Jahre später fand ich heraus, dass das zwei verschiedene Pfarrfrauen waren. Ich hatte mich um ein Jahrhundert vertan.

 

Dein Lieblingsspruch/Motto/Lebensweisheit?
Du kannst etwas ändern. Eine Situation, eine Beziehung, dein Leben, die Welt. Und wenn es durch eine veränderte Haltung ist.

 

Deine Chance! Was wolltest du den LeserInnen schon immer mal mitteilen?
Gerade möchte ich einfach nur “Danke!” sagen. Dass so viele an mein Romanprojekt glauben und mich unterstützen, das ist unglaublich. Dadurch ist es möglich geworden, dass ich nun für ein halbes Jahr den schönsten Job der Welt habe: Ich schreibe. Ich werde alles geben, das verspreche ich euch!

 

Liste hier auf, wo man dich im Netz antrifft (Website, Facebook, Twitter, YouTube, …)
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